Ein lustiger Vortrag zum Geburtstag oder zur Hochzeit


Ein Stadtstreicher

Ja, so was habe ich mir gedacht,
alles auf vornehm hier gemacht!
Was wird doch ein Aufwand hier getrieben,
da wäre ich besser zu Hause geblieben.
Allein die Dekoration kostet soo einen Haufen –
aber hier im Saal, wo ich steh – keinen Tropfen zu saufen!!!

Und was ich überhaupt nicht verstehen kann,
man sagt mich hier als Stadtstreicher an!
Also, das tut mir heute abend noch reichen,
wie komm ich dazu, die Stadt anzustreichen!

Ich komm´ nicht alleine, habe ich mir gedacht,
und hab´ zur Verstärkung einen Freund mitgebracht.
Der ist Italiener, nun seid mal ganz Ohr,
mit Namen „Cinzano“ – komm, stell Dich mal vor!

Wichtig ist: ´ne volle Flasche
brauchste immer in der Tasche.
Nicht auszudenken, was passiert,
wenn man die des Nachts verliert.

Der Inhalt ist in diesem Fall,
außer Wasser, mir egal.
Verwöhnt bin ich da keinesfalls,
die Hauptsache ist, es brennt im Hals!

Nun trage ich ja meine Flasche
immer in der linken Tasche,
denn, wenn ich saufe und nichts esse,
flieg´ ich laufend auf die Fresse.
Von selbst knickt dann mein rechtes Bein
früher als das linke ein.
Das hab ich mir antrainiert,
damit der Flasche nichts passiert!

Neulich passierte ein Unglück mir mal,
das wünschte ich keinem hier im Saal,
ich wünschte, ich wäre niemals geboren –
hatte ´ne volle Flasche – und den Öffner verloren!!
Was das heißt, weiß jeder Mann:
Du hast ´ne Flasche – und kommst nicht dran!
Das ist das gleiche, meine ich,
wenn deine Frau sagt: Heute nicht!!

Die meisten trinken aus dem Glas,
der allergrößte Quatsch ist das!
Erstens: Da passiert es eben,
dann schüttest schnell mal was daneben
von der guten Flüssigkeit,
zweitens: Da verlierste Zeit!
Bis das Zeug ins Glas läuft rein,
kannste längst verdurstet sein!
Der beste Weg ist deshalb so:
Flasche – Kehle – Niere – Klo.

Nun ist mein Hobby nicht nur´s Saufen
ich tu auch durch die Gegend laufen.
Ich laufe sparsam, das weiß jeder,
brauch höchstens 1 Liter auf zehn Kilometer.
Manchmal fällt mir das unheimlich schwer,
doch lieg ich noch unterm Schnitt – mein Kumpel braucht mehr.

Es gibt Leute heutzutage,
das sind Snobs, ganz ohne Frage.
Ja, hälste so etwas für möglich?
Die wechseln ihre Wäsche – täglich!!
Ich kann dazu nur eines sagen:
Die werden es auch nötig haben.
An meine Wäsche kommt kein Dreck ran,
ich hab´ ja immer meinen Mantel an.

Von meinen Handschuhen, wie Ihr erkennt,
hab´ ich alle Finger abgetrennt.
Das ist praktisch, da kann ich im Kalten,
beim Waschen die Handschuhe anbehalten.
Außerdem hab ich durch diesen Kniff,
beim Trinken die Flasche viel besser im Griff.

Es gibt Leute, ich sag es mal ganz grob,
haben Abitur, doch überhaupt nichts im Kopp!
Die machen sich gar nichts draus
und geben Geld für Essen aus,
obwohl wir hier doch alle wissen,
es wird ja soviel weggeschmissen.

Zum Beispiel, ´ne Bratwurst – so kurz sein kann se –
wenn ich fünf Stückchen finde, hab ich auch eine ganze.
Aus diesem Grund, daß sag´ ich Euch,
ist meine Nahrung abwechslungsreich.
Da können Sie jeden Doktor fragen,
´ne alte Weisheit: - Dreck reinigt den Magen.

Schon durch meinen Geruch, das ist nicht gelogen,
macht jeder Bazillus um mich einen Bogen.
Ich gehöre noch zu den wirklichen Gesunden
und hab´ ein Gebiß – erst gestern gefunden!!

Als Stadtstreicher, das ist bekannt
lebt man am besten im Holsteinland.
Denn hier gibt es Kirchen und Pfarrhäuser in Massen,
die keinen von uns vor der Tür stehen lassen.
Auch hier im Pfarrhaus spreche ich regelmäßig vor,
und finde immer ein offenes Ohr.
Aber mir scheint, der Herr Pastor kennt keinen quälenden Durst,
bei ihm krieg´ ich immer nur ein Butterbrot mit Wurst!
Er kommt von seinem Prinzip nicht runter,
„ nur Milch macht müde Männer munter!“

So´n Stadtstreicher, der was auf sich hält,
spart durchs Saufen sehr viel Geld.
Mein Kumpel, das sage ich ganz offen,
hat ununterbrochen zwölf Jahre gesoffen.
Der hat ´ne Villa auf dem Land –
Alles nur vom Flaschenpfand!!
Ich hab auch zwei Willen, was Sie nicht vermuten,
und zwar einen bösen und einen guten!

Wenn´s kalt ist, schlafe ich in der Nacht,
gemütlich auf dem Warmluftschacht.
Das Gitter ist praktisch, wenn ich abends mal sauf´
und nachts dann mal muß, steh´ ich gar nicht erst auf!!

Bevor ich einschlaf´, werden die Wertsachen alle verstaut,
die Flasche wird leergesoffen, sonst wird sie geklaut.
Mein Geld, falls ich was habe, lege ich dann
immer unter die Seife, da geht keiner dran.
So schlaf ich in Frieden, ich hab´ keine Sorgen,
kein Wecker erschreckt mich am Morgen.
Kann aufstehen, wann ich will, es treibt mich kein Job,
wer mich jetzt noch bedauert, ist nicht richtig im Kopp!!

Nun bin ich auf den Grund meiner Flasche gekommen
und sehe ganz deutlich alles verschwommen!
Wenn ich jetzt tief ausatme, haben wir hier
Smogalarm der Stufe vier!!
Es würde mich freuen, Euch mal wiederzusehen,
wir alle zusammen, das wäre doch schön.
Jeder von Euch gibt mir altem Haus
an der nächsten Theke dann Einen aus!
Das wär´ mein Traum – sechs Wochen blau –
ich zieh dann mal los, und sage: Tschau!

Unbekannt