Gedichte über den Wein


Die Kenner

Ein Förster und ein Klosterbruder,
Ein Spielmann auch, ein Kneipgenie,
Die saßen einst vor einem Fuder
In trauter Zecherharmonie.
Der Förster aber mit Hallo
Schrie plötzlich Zetermordio:
„Kann euch der Wein behagen
Hier vom Johannisberg?
Ihr Herren lasst euch sagen,
Er schmeckt nach Hanf und Werg!“

Das Pfäfflein aber nahm den Becher
Und führte schmunzelnd ihn empor,
Und trank, ein nimmermüder Zecher,
Bis sich der letzte Rest verlor.
Er schnalzte hin, er schnalzte her,
Er nahm das Weichen auch verquer;
Dann klang‘s im tiefsten Basse:
„Ich hab’s schon längst entdeckt,
Dass hier der Wein im Fasse
Nach Rost und Eisen schmeckt!“

„Nein, nein! – Der Spielmann soll entscheiden“
So rief der Herr in grüner Watt,
„Wer hier am Fasse von uns beiden
Die allerfeinste Zunge hat.“
Der Spielmann trank und dachte nach,
Bis er zuletzt die Worte sprach:
„Von Werg und auch von Eisen
Kann nicht die Rede sein -
Ich will euch unterweisen:
Nach Kienholz schmeckt der Wein!“

O weh, die treulich sich gefunden
Und stets getreulich sich bezecht,
Die machten nun in späten Stunden
Ein regelrechtes Wortgefecht.
Da gab’s, wie es so oft geschah,
Ein Trennen inter pocula.
Der Spielmann schrie beim Reisen:
„Nur Kien ist drum und dran!“
Der Pfaffe blieb beim Eisen,
Beim Werg der Jägersmann.

Doch als noch in des Jahres Welle
Das Fass sich leerte bis zum Grund,
Da machten Küfer und Geselle
Am Boden einen raren Fund,
Und deshalb es nicht Wunder nahm,
Dass wiederum die Freundschaft kam:
Ein Schlüssel ward gefunden,
Verrostet ganz und gar,
Daran mit Werg gebunden
Ein tännern Brettchen war.


Josef Lauff