eine lustige Geschichte


Dem Vater schrieb ein Bauernsohn:
„Zerrissen sind die Stiefel schon!
Drum bitte, schick mir neue her,
Recht schnell, denn ich bedarf sie sehr!“

Der Alte drauf zum Schuster eilt,
Lässt neue machen unverweilt.
Dann grübelt er: „Wie krieg‘ ich schnell
Das Schuhwerk fort an Ort und Stell‘?“

Da fällt der Telegraph ihm ein,
Das möchte‘ der beste Bot' wohl sein;
Denn schneller noch als Eisenbahn
Langt er am rechten Ziele an.

Aufs Feld drum läuft er schnell vom Haus,
Wo sich die Drähte spannen aus.
Im Flug‘ erklettert er die Stang‘
Und hängt die Stiefel dort entlang.

Hineingelegt sich fand ein Blatt,
Worauf er groß geschrieben hat:
„Hast du die Stiefel, Kasimir,
Dann Schick‘ zurück die alten mir!“

Inzwischen wird’s dem Manne heiß
Und Bessres nicht zu tun er weiß,
Als sich im Gras‘ was auszuruh’n,
Das Aug‘ im Schläfchen zuzutun.

Kaum schickt er sich zum Schnarchen an,
Da schleicht ein Handwerksbursch heran,
Sieht gleich die Stiefel hängen da,
Und denkt: „Das macht sich trefflich ja!“

Er legt sein‘ Stiefel ab geschwind,
Die jämmerlich zerrissen sind,
Knüpft fest sie an den Eisendraht
Und nimmt die neuen ohne Gnad‘!

Nachdem er dann sie angetan,
Enteilt er, was er laufen kann.
Ein tücht’ger Weg schon ist gemacht,
Als Siebenschläfer erst erwacht.

„Hurra!“ der jauchst, als auf er blickt,
„Die alten hat er schon geschickt.
Du guter Junge, das war brav,
Du hast benützt den Telegraph!“

Doch siehe, schon am dritten Tag‘
Ein neuer Brief kommt mit der Klag‘:
„Hast, Vater, nicht an mich gedacht?
Mit meinem Schuhwerk ist’s vollbracht!

Nicht sind die Löcher anzuseh’n,
Hinaus schon gucken alle Zeh’n;
So schick‘ doch bald die neuen mir,
Ich kann ja nicht mehr vor die Tür!“

Wie wundert dess‘ der Vater sich!
Es kommt ihm gar absonderlich.
Gleich nimmt er Schreibzeug und Papier
Und schreibt: „Mein teurer Kasimir!

Dass du die Stiefel noch nicht hast,
Das übersteigt mein Denken fast;
Per Telegraph ich sandt‘ sie dir
Und du die alten schicktest mir.

Wie das sich zutrug, ich nicht weiß,
Am Ende sind sie noch auf Reis‘.
Geduld drum hab, mein guter Sohn,
Du wirst sie bald empfangen schon!“

Ja, wohl, der Arme harrt noch heut‘,
Wird harren wohl in Ewigkeit,
Bis ihm der Eisendraht verschafft,
Was schlau ein Gauner weggerafft.