Rezept zu einer Operette

Nimm ein Sujet aus früherer Zeit,
Bei dem sich findet Gelegenheit
Für eine Sängerin, die uns packt,
Die Roben zu wechseln in jedem Akt -
Von ihrer Schönheit hingerissen
Lass den Tenor mit Hindernissen,
Die er beseitigt kühn und gewandt
Erringen endlich ihre Hand,
Daneben stelle ohne Gefahr
Auch noch ein zweites Liebespaar -
Sie als Soubrette fesch und frech    (franz. für Zofe, Dienerin)
Darf sich gestatten das höhere Blech -
Dazu lass einen komischen Alten
An Dummheiten möglichst viel entfalten
Und ihn – dies merke vor allen Dingen -
Couplets mit zündenden Pointen singen,
Nimm dann ein dutzend Mädchengestalten,
Recht wohl gewachsen – nur keine Alten -
Und kleide, weil sich’s so besser macht,
Sie mit Trikot in Knabentracht -
Misch alles gehörig mit pikanter,
Gestohlener Witzbrüh durcheinander,
Vermeide jede Poesie -
Es wär das verlorene Liebesmüh! -
Tu auch dazu nicht viel Musik,
Nur prickelnde Walzer mit leichtem Chic -
Und Du machst ein gutes Geschäft, ich wette,
Mit deiner neuesten Operette!