Der Lieblingsdichter

Es sitzt in seinem Kämmerlein
Ein junger, armer Gesell;
Durchs Fenster der volle Monden schein
Grüßt ihn so freundlich hell.

Es ist um den schönen Maienmond,
Da neue Liebe erwacht,
Und die ihm gegenüber wohnt,
Der denkt er Tag und Nacht.

O junge Gräfin, Du weißt wohl nicht,
Wie es dem Dichter tat,
Da er Dir einst im Monden licht
Von Ungefähr genaht!

Du eiltest rasch in den Palast,
Die Diener schlossen das Tor;
Und dennoch stieg der arme Gast
Schon lang vor Dir empor.

Denn droben im zierlichen Bücherschrein,
Da steht er – Dein Poet.
Du lesest ihn beim Lüsterschein,
Dessen Liebe Du verschmäht!

„O Gräfin, liebe Gräfin mein
Wie fällt mir das so schwer,
Ich selbst darf niemals bei Dir sein
Und liebst mich doch so sehr!

Ich wollt, ich wäre mein Liederband
Der immer Dich umgibt,
Ich ließe mich halten von Deiner Hand
Und binden, wie’s beliebt!“