In das Album eines neumodischen Kunstjüngers


Mein Sohn, willst du a‘ Maler wer’n,
So kauf dir a‘ Stafflei,
A‘ große Leinwand und viel Farb’n –
Des brauchst zur Malerei.

Für Pinsel gib nit gar z’viel aus,
S ist nix damit bezweckt;
Schmierst d‘ Farb’n du auf d‘ Leinwand glei‘,
Das macht noch mehr Effekt.

Und wenn d‘ an roten Mantel hast,
A‘ G’wand mit gold‘ne Stern,
Kannst du getrost gleich auf der Stell‘
Historienmaler wer’n.

Und hast an Harnisch oder Spor’n,
Reiterstiefel und an Hut,
Nacha malst a‘ Bild vom Wallenstein, -
So was rentiert si‘ gut.

Wannst aber hast an sammt’nen Frack,
A‘ Vas’n von Faience –
Nacha malst a‘ Bild in Rokoko
Oder glei‘ in Renaissance.

Das Leichtest‘ is, du schmierst die Farb’n
G’rad so wie’s kemma hin;
Die Bäum‘ malst blau, die Erden rot,
Und’n Himmel den malst grün.

Ein nacktes Weib darf ja nicht fehl’n –
Ob schwarz, weiß oder braun –
Und bringst an Hintergrund nit z’samm,
So malst davor an‘ Zaun.

Wenn’s nur recht bunt und schecket is
Und recht voll Schmier und Dunst -
Gedanken und a‘ Studium,
die braucht man nit zur Kunst.

Und wennst amal an Nama hast,
Dann wird dir Alles zahlt;
Das Publikum bewundert dich –
Ob’s g’schmiert is oder g’malt.