Doppel-Strike


In einer Stadt, - ich weiß nicht wo es war –
Versammelten sich einst die Junggesellen,
Um Rat zu pflegen, wie zu der Gefahr
Des Frauenputzes man sich wolle stellen.
Denn: „Stellungnehmen ist des Mannes Pflicht
In unserer Zeit zu jeder großen Frage,
Und steuert man den Frauenluxus nicht,
So kommen wir in unhaltbare Lage.
Verarmung ist der allgemeine Schluss,
Es reicht kein Geld, das Defizit zu decken.“
So meinte Mancher, dessen Redefluss
Geeignet war, Begeisterung zu wecken.
Und endlich ward beschlossen männiglich,
Es sollte keiner sich beweiben,
Und ehe er in Schulden stürze sich
Für alle Fälle lieber ledig bleiben. –
Das hörten bald die Mädchen jener Stadt,
Wie laufend Feuer ging‘s in alle Ohren.
Da regten sich die Zünglein spitz und glatt,
Gescholten ward, gespöttelt auf die Toren,
Bis endlich man sich einen Anlauf nahm,
Wie man von Worten kommen mag zu Taten,
Und auch die Frauenwelt zusammenkam,
Gemeinsam ihre Lage zu beraten.
Nach langen Reden, wirr und bunt gemischt,
Die da die Mädchen unter sich gehalten,
Wobei man tüchtig bravo ruft und zischt,
Beschloss man an dem Putze festzuhalten. –
Nun hieß es „ohne Männer“ lustig sein
Und mit Behagen recht sich amüsieren.
Bald gingen durch die Stadt im Monden schein
Die Mädchen Arm in Arm des Nachts spazieren.
Auch fuhren sie im leichtbewegten Kahn
Vergnügt umher, die Ruder selber lenkend,
Und auf des Eises spiegelglatter Bahn
Vergnügten sie sich, leicht den Schlitten schwenkend.
Selbst auf dem Balle hielten sie sich gut
Und ließen stolz die Junggesellen rauchen;
Sie plauderten im frohen Übermut
Und zeigten, dass sie keine Männer brauchen.
Sie tanzten unter sich in leichtem Flug
Und echauffierten sich in wilder Rage –
Unglaublich war, was manche da ertrug –
Doch galt es den Männern schreckliche Blamage!
Zu Hause freilich nach dem Balle saß
Jedwedes Mädchen traurig in der Kammer;
Es fehlte ihm, es wusste selbst nicht was –
Im Herzen aber regte sich Katzenjammer;
Doch nachzugeben waren sie zu stolz.
So lebten sie dahin die langen Wochen,
Unbeugsam, wie geschnitzt aus hartem Holz –
Wär Manche gern auch längst zum Kreuz gekrochen.
Da kam es endlich Einer in den Sinn,
Wie wenig doch die Faltenrobe kleide.
„Ein schlichtes Kleid schmückt selbst die Königin,
Wozu der Samt, wozu die teure Seide?“
Ihr Rat gefiel. „Aus eigenem Geschmack,
Nicht, um de dummen Männern zu genügen,
Sei eng das Kleid, unähnlich nicht dem Sack,
Man muss sich eben in die Mode fügen.“
„Wozu“, sprach eine Andre, „auf dem Kopf
Den hohen Pausch ums Geld erworbener Haare?
Höchst ungesund ist solch ein Totenzopf,
Der eigne Haarwuchs, Mädchen! ist das wahre!
Drum nicht den Männern, nein, uns selbst zu lieb
Lasst den Chignon uns stolz beiseite legen.“
Der Vorschlag fand Gefallen. Keine blieb
Zurück und wär es nur der Mode wegen.
„Fällt von dem Kopf das überflüssige Haar,
So wäre“, meint die schönste der Coquetten,
Nicht nötig weiter noch, sich ganz und gar
Die Füße zu verderben mit Stiefleten.
Der schöne Fuß bedarf des Stöckels nicht,
Und wär‘s nur um den Männern zu missfallen!“
Was kluger Rat mit solchen Gründen spricht
Leicht wird’s mit Beifall akzeptiert von Allen.
Und siehe da! Es half auch hier die Zeit
Den Junggesellen leicht den Sieg gewinnen.
Nicht lange währt es, und statt im seidenen Kleid
Erschien die ganze Mädchenwelt in Linnen.
So standen sie im Schmuck des eignen Haars
Ganz ohne Absatz fest auf eigenen Füßen
In Säcke eingehüllt. Fast komisch war‘s,
Wie in solcher Tracht die Männer grüßen.
Die Junggesellen schrien: „welch ein Sieg!
Gerettet sind fortan der Männer Kassen.“
Wie da der Mädchen Wert im Kurse stieg,
Man wusste sich vor Freude kaum zu fassen.
Man wählte rasch, man fand sich leicht und froh,
Man wechselte im Liebesglück die Ringe.
Doch glaubt ihr wohl – im Städtchen blieb es so,
Entronnen wär der Mann des Weibes Schlinge?
Nach kurzer Zeit fand jeder Herr Gemahl,
Sein Weibchen sehe doch – bei seinem Eide –
Im Sack von Linnen gar zu ärmlich schmal
Und nüchtern aus. Ein einfach Kleid von Seide
Schmückt schöner ihren Leib, und die Frisur
Sei doch zu einfach, auch die Schuh zu nieder! –
Und so ging‘s fort. Die Frauen lachten nur,
Und bald floriert die alte Putzsucht wieder. –

Das Weib ist eitel immer von Natur,
Doch wird’s im Putz zuweilen übertrieben,
Sind Schuld daran im Grund die Männer nur,
Die nicht verstehen, ein einfach Weib zu lieben.