Zu meinem 60. Geburtstag


Nun bin ich sechzig Jahre alt -
Fürwahr ein hübsches Alter!
Ich dank dafür dem lieben Gott
Dem Schöpfer und Erhalter.

Er hat‘s bisher gemacht so gut,
Er wird mich weiter leiten,
So will ich froh und wohlgemut
Dem Grab entgegen schreiten.

Und rechne ich die Stunden nach,
Die mich bis heute trafen,
Sind‘s zwanzig Jahre – lange Zeit! -
Die habe ich verschlafen.

Hab ich so lang auch – kommt es hoch -
Mich amtlich aufgerieben,
So sind mir zwanzig Jahre doch
Fürs Übrige geblieben.

Wenn ich davon spazieren ging
Täglich nur eine Stunde,
Gibt’s einen Weg, dreimal im Ring
Um unsers Erdballs Runde.

Verwendet hab ich wohl ein Jahr
Auf Waschen und Toilette.
Ich lag an Lenz- und Herbstkatarrh
Zusammen ein Jahr im Bette.

Drei lange Jahre saß ich fast
Im ganzen wohl am Tische,
So lang auch hielt im Ganzen Rast
Ich in der Sommerfrische.

Wär täglich ausgegangen ich,
Wie es gewohnt so Viele -
Sechs Jahre hätt ich sicherlich
Verbracht bei Bier und Spiele!

Dafür nun fühl ich, zu gestehen
Ganz offen mich verpflichtet,
Dass ich so viel – es ist auch nicht schön -
Im Ganzen schier verdichtet.

Wie viel ich schon an Fleisch verzehrt,
Viel Ochsen, Schweine, Rinder,
Es wäre wohl des Rechnens wert,
Und Obst und Brot nicht minder.

An Flüssigkeit im Ganzen wohl
Hab ich so viel genossen,
Dass vierzigtausend Liter sind
Durch meinen Schlund geflossen.

An hundert Hüten sicherlich
Verbraucht ich all die Jahre,
An Schuhen und Stiefel trat ich durch
Wohl viele hundert Paare.

Und was ich sonst noch aufgebraucht
An Hosen, Strümpfen, Röcken,
An Kragen, Hemden, Überziehern,
An Regenschirm und Stöcken!

Weiß ist mein Bart, der Kopf ist grau,
Das Angesicht voll Falten,
Doch jugendfrisch und jugendfroh
Blieb mir das Herz erhalten.

Und hält mich gnädig, wie bisher,
Der liebe Gott am Gürtel,
So hoff ich, steht die Lebensuhr
Bei mir erst auf drei Viertel.

Doch wär auch bald mein Stündlein um,
Ich will mich drein ergeben,
Wird, was ich lieb und was ich schrieb,
Ja doch mich überleben!