Gedicht über die Liebe zum Hund


Die Hundesteuer

Wie? zwanzig Mark die Hundesteuer?
Für einen Schoßhund zwanzig Mark?
Nein, Kinder, das ist mir zu teuer!
Nein, was zu stark ist, ist zu stark!
Ihr meint, ich spaße? O mit nichten,
Es ist mir Ernst, dass ihrs nur wisst!
Um diesen Preis muss ich verzichten
Auf unsern Bob – so nett er ist.
Du hast es doch bisher gegeben,
Sei doch nicht wunderlich, Papa!
Wie sollten ohne Bob wir leben,
Was tät' Mama, wenn Bob nicht da?
Nein, unsern lieben Bob, den lassen
Wir nicht von uns – nicht um die Welt!
Und sollt' es dir für jetzt nicht passen,
So nimmst von unserm Taschengeld!
Von eurem Taschengeld! – Ein feiner,
Brummt der Papa, »ein netter Plan!
Braucht dann von euch mal etwas einer,
Muss doch mein Portemonnaie heran!
Nein, nein, das lasst euch nur vergehen! –
Papa! Betracht' ihn nur mal dir,
Den guten Bob – nicht widerstehen
Kannst du alsdann – was wetten wir?
Und nach dem Sofa ziehn sie schnelle
Papa – da liegt gerollt zum Ring,
Faul eingewühlt an weichster Stelle,
Das gute, rührend-dumme Ding!
Nun blickt er auf und mit dem Schwänzchen
Grüßt kindlich-arglos er Papa
Der tätschelt seinem Liebling Hänschen
Das blonde Haupt und brummt: Na ja!
Hurra Papa! Du zahlst die Steuer? –
Na ja, ihr Corps, was soll ich tun –
Hurra! Und ist dir's nicht zu teuer? –
Nein, nein – nun aber lasst mich ruhn!
Und Jubel herrscht in der Familie,
Auch die Mama vor Freuden strahlt –
Doch leis ins Ohr raunt sie Ottilie:
Er hätt' auch dreißig Mark gezahlt!


Georg Bötticher