Gedichte über Ehe und Liebe


Das Hindernis

Zum Richter kam ein Ehepaar
Und sprach: „Wir sind uns beide klar:
Keins mag das Andre leiden.“
„Nun wohl, so lasst euch scheiden.“ -
Der Ehemann sprach: „Gern und gewiss,
Nur ist für jetzt ein Hindernis:
Wir haben sieben Kinder, seht
'ne Zahl, die schlecht zu teilen geht.
Keins möchte mehr und weniger doch,
Drum dachten wir, wir lassen‘s noch,
Bis acht es sind. Je vier und vier ...“
„Gut“, sprach der Richter, warten wir!“ -
Ein Jahr verging und noch ein Jahr
Da traf der Richter einst das Paar
Und grüßt und frug die Beiden:
„Nun, soll ich jetzt euch scheiden?“
„Hm,“ sprach die Frau verlegen, „schad“,
Jetzt steht es wieder ungerad:
Der Kinder sind jetzt neune, seht,
'ne Zahl, die schlecht zu teilen geht.
Keins möchte mehr und weniger doch,
Drum dachten wir, wir lassen‘s noch,
Bis zehn es sind. Fünf ihm, fünf mir ...“
„Schön meine Lieben, warten wir!“ -
Der würdige Richter wartet noch:
Das Pärchen blieb im Ehejoch.
Wenn ich es richtig abgeschätzt,
Sind sie bei Nummer Dreizehn jetzt.


Georg Bötticher