ein Hochzeitsspiel


Bruder (oder Schwester) des Brätigams:
Sage mir nun einmal ehrlich,
war das Bräutchen sehr gefährlich,
ehe sie den Liebsten fand,
dem sie heute sich verband?

Bruder (oder Schwester) der Braut:
Welche indiskrete Frage!
Glaubst Du, dass ich hier was sage,
dass ich aus der Schule schwätz‘,
meine Schwester gar verpetz?

Bruder (oder Schwester) des Brätigams:
Aber nein, nicht gleich so hitzig!
Heute sind wir spritzig, witzig, -
Was gewesen, ist vorbei,
und das ist auch einerlei.
Wer das Brätchen hat gewonnen,
darf allein im Glück sich sonnen,
übel nimmt er garnichts mehr,
weil er stolz und froh ist sehr.
Auch wenn ich von ihm bericht‘,
dass der beste Bruder nicht
einst er war, tät‘ Herzen knicken,
manche Blum‘ am Wege pflücken.
Doch es wird aus ihm alsdann
grad‘ der bravste Ehemann,
dem es ernst, wenn er gefreit,
und der treu bleibt allezeit.
Nur die Schlucker und die Mucker
heimlich machen Seitenrucker!

Bruder (oder Schwester) der Braut:
Seht mal an, - ei, ei, - hört, hört -
manches Herz hat er betört,
unser Bräutigam, - schau schau -
aber seine kleine Frau,
schüchtern war sie und bescheiden,
mochte mal ein Mann sie leiden,
blieb sie ruhig und hielt Stand,
schenkte niemand Herz und Hand.
Bis der Eine ist gekommen,
der es hat im Sturm genommen,
und sie tat’s mit Jubel kund:
Segne Gott drum diesen Bund!

Bruder (oder Schwester) des Brätigams:
Ja, dasselbe wünsch‘ ich auch,
und nach gutem, deutschem Brauch
hebt das Glas mit mir nun alle.
Laut und fröhlich rings es schalle:
Unserm lieben jungen Paar
Glück und Segen immerdar.
Freude blüh‘ ihm noch und noch,
und es lebe dreimal hoch!

M. Frohmut