Ein Zeitungsjunge überbringt die Hochzeitszeitung


Lustige Übergabe einer Hochzeitszeitung

Extrablätter! Extrablätter!
Hier das Neueste, was man hat!
Alle, alle müsst ihr lesen,
Was passiert in unsrer Stadt.
Eine Hochzeit ist gewesen,
Das kann man hier drinnen lesen,
Ja, ein Bräutigam und Braut
Wurden miteinand‘ getraut. -
Wie sie einst in sel’gen Stunden
Sich in Liebe hab’n gefunden -
Wie er ihr, o Hochgenuss,
Einstens gab den ersten Kuss -
Wie sie Amor hat geschossen -
Wie sie’s gar nicht hat verdrossen,
Stak der Pfeil auch tief im Herzen -
Wie sie litten keine Schmerzen
Trotz der schrecklichen Verwundung,
Wie sie endlich traf Gesundung -
Wie sie heimlich oft sich trafen,
Und geschwärmt vom Ehehafen -
Wie er dann ging zum Papa,
Ihn gebeten um sein Ja! -
Und wie der gesprochen da:
Nimm se du se dir se, ja! -
Alles steht hier in der Zeitung,
Darum ist sie von Bedeutung. -
Was sie kostet? – Sie kost’t nischt!
Ganz umsonst ihr sie erwischt,
Denn `s ist unser Redakteur
Ein gar nobler, feiner Herr. -
Amor heißt er. – Ja, ihr guckt,
Der hat dieses Blatt gedruckt,
Hat’s gedichtet und geschrieben,
Weil er viel versteht vom Lieben.

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Aber, ha!- Was seh‘ ich hier?
Es sitzt das Brautpaar ja vor mir,
Und ich hab‘ es nicht begrüßt - -
O, wie mir das peinlich ist!
Aber schleunigst hol‘ ich’s nach.
(Verbeugung)
Braut und Bräut’gam – guten Tag!
Euch ja sollt‘ vor allen Dingen
Ich die Hochzeitszeitung bringen,
Dass ihr seht im spätern Leben,
Was ihr einstens angegeben.
Alles ist darin verzeichnet,
Was sich einstens hat ereignet;
Jeder Kuß ist registriert,
Den ihr habt „geschnabuliert“.
Braucht euch deshalb nicht zu schämen,
Dürft mir auch nichts übel nehmen,
Wünsch‘ ja selbst, dass allezeit
Küssefroh ihr immer seid.
So, nun nehmt mit frohem Sinn
Diese Zeitung von mir hin!
Leset alles mit Behagen
Heute und in künft’gen Tagen!
Diese Mappe diene hier
Stets zum Aufenthalte ihr. -
Und nun will ich mich empfehlen,
Will’s dem Redakteur erzählen,
Daß er es sehr recht gemacht,
Als er euch zusammengebracht,
Und dass Amors Liebespfeil
Verwundet euch zu Glück und Heil.

Felix Renker