Weisheiten für Braut und Bräutigam zur Hochzeit


Glaube mir, so schwer ist’s nicht,
Einen Gatten zu beglücken;
Zieh ein freundlich Angesicht,
Es genügt; ihn zu entzücken,
Und ein einfach Leibgericht
Kann ihn ganz und gar berücken.

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Schmutz’ge Schüsseln, sie verleiden
Auch den allerfeinsten Bissen.
Zierlich gib und gib bescheiden
Und dein Gast wird nichts vermissen!

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Es ist das Haus der Spiegel deiner Seele,
Drum sorge stets, dass nie die Ordnung fehle.
Wo allerwärts auf Stuhl und Tisch
Von Kleidern, Schuhen, Strümpfen ein Gemisch,
Da ist auch nichts an seinem rechten Ort,
Nicht Mann, nicht Frau, nicht Tat, nicht Wort;
So unbehaglich ist’s, als wär
Im Leibe selbst die Seele quer.

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Willst du wissen, wie es steht
Mit des Hauses Sinn und Denken,
Darfst du nicht ins Prunkgemach
Forschend deine Schritte lenken.
In die Küche schau hinein,
In die Winkel und die Ecken!
Dort wird oft verborgen sein,
Was man gerne möcht verstecken.

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Beneidet mir die Männer nicht,
Dass sie die Welt regieren,
Dieweil sie sich bei der Geschicht
Gemeinlich sehr blamieren.
Und schaut ihr noch genauer zu,
So sind es Marionetten,
Von Frauenhand in aller Ruh
Gelenkt an Rosenketten.

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Hüte dich mit tausend Sorgen
Vor dem ersten, kleinsten Zwist!
Fünkchen heute, Flamme morgen,
Bis nicht mehr zu löschen ist!

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Mit gift’gem Weib ist lebenslang gequält,
Wer sich sein Weib der Mitgift wegen wählt;
Denn Gift bleibt Gift, von welcher Art es sei,
Und solche Hochzeit ist Giftmischerei.

Heinrich Hoffmann