Silberhochzeit


Ich bin der Silberhochzeits-Engel,
der feierlich sich heut‘ stellt ein.
Mit Euch blick ich zurück auf Mängel,
auf Freud‘ und Leid in Eurem Sein.

Steht jung im grünen Myrtenkranze
das Brautpaar endlich vorm Altar,
schwelgt in der Liebe Maienglanze
voll frohem Mut das junge Paar.

Es ahnt noch nichts von all dem Irren,
den Zukunftswegen kreuz und quer,
und von des Schicksals trüben Wirren,
von Stunden bitter, bang und schwer.

Doch wenn ein Paar in festem Glauben
und Treue zueinander steht,
kann nichts der Hoffnung es berauben, -
das ist das Glück, das nie vergeht!

Ihr Glücklichen, ob manchen Leiden
habt Ihr gesiegt. Der Liebe Licht,
es leuchtet ewiglich Euch Beiden,
und selbst der Tod, er trennt Euch nicht.

Nun soll der Silberkranz Dich krönen,
geliebte Braut, - Dein Bräutigam
tät‘ auch an Silber sich gewöhnen,
ja, seht nur seine Schläfen an!

Zwar will ich nun nicht grade petzen,
und doch, - es reizt mich immerhin -
ein wenig aus der Schule schwätzen,
das wär‘ so recht nach meinem Sinn.

Ihr seid, geliebtes Silberpärchen,
zuweilen noch den Kindern gleich.
Neckt Euch und schäkert wie vor Jährchen,
weil Eure Ehe ein Himmelreich.

Der liebe Vater tut so bieder, -
ein Schelm ist er, voll Schabernack.
Das merkt man alle Tage wieder, -
der Schalk, der sitzt ihm huckepack.

Mamachen aber lächelt weise,
sie kennt ja ihren guten Mann,
und auf des Lebens ernster Reise
sie dennoch Spaß verstehen kann. - -

Zur Freude Eurer Kinder schreitet,
und Enkel, weiter Hand in Hand.
Gott, der bisher Euch treu geleitet,
schütz‘ Euren Silber-Ehestand!

M. Frohmut