Eine festliche Rede zur Goldhochzeit


“Ein schöner Tag! Fürwahr ein schöner Tag!
War reich er auch an Arbeit, Müh’ und Plag’,
So war er wahrlich doch nicht arm an Freuden,
Und zu ertragen waren schon die Leiden,
Die er uns bracht’“, - so denkt in dieser Stund’
Vielleicht das Jubelpaar in unsrer Rund’,

Jawohl, ein schöner, segensreicher Tag,
Wie immer man ihn auch betrachten mag,
War Eurer Ehe fünfzigjähr’ge Dauer;
Und wurde Euch das Leben oft auch sauer,
Und presste manche Trän’ Euch aus das Leid,
So folgte doch auf Trübsal reine Freud’!

So liegt nach alledem es auf der Hand,
Dass Eure Blicke rückwärts sind gewandt,
Dass heut vorüberzieh’n in bunten Bildern,
Wie klarer kaum ein Dichter sie mag schildern,
All die Erlebnisse vor Eurem Geist,
Und das Ihr dankbar Gottes Güte preist.

Vor Euerm Aug’ erscheint in reinem Glanz
Der Morgen Eurer Liebe, da Ihr ganz
Aufginget in dem ernstlichen Bestreben,
Nur für- und ineinander stets zu leben,
Wo einst des andern „holder Engel“ war,
Dem gern er brachte jedes Opfer dar.

Ihr schwammt ja förmlich in der Wonne Meer,
Vergaßt darüber alles um Euch her;
Die liebedurst’gen Herzen sich berauschten,
Wenn Eure glühn’den Augen Blicke tauschten.
Ihr wahrt Euch gegenseitig eine Welt,
Und hattet Eure Sach’ auf Lieb’ gestellt.

höher schon die Sonn’ am Himmel stand,
Als mit der Arbeit sich die Sorge fand,
Bald dunkle Wolken sich am Himmel türmten;
Die Euch und Euer Glück umstürmten -
Ein greller blitz erleuchtete die Nacht,
Dumpf grollend dann und wann der Donner kracht’.

Gerechter Gott! Ein Blitz – ein schwerer Schlag!
Und Euer Glückspalast zertrümmert lag!
Umsonst war nun das jahrelange Streben!
Ihr konntet keine Schuld Euch selber geben;
Ihr wusstet, dass dies schwere Leid gesandt
Des weisen Gottes liebe Vaterhand.

Und wie auch blutete das fromme Herz,
Das Auge blickte gläubig himmelwärts,
Und Eure Lieb’ in jenen schweren Stunden
War Balsam für die beiderseit’gen Wunden.
Von neuem schaffte emsig Eure Hand,
Bis seinen Lohn der Fleiß von neuem fand.

Der Himmel glänzte bald in reinstem Blau,
Des Glückes Sonn’ schien hell auf Feld und Au’,
Und ob auch dann und wann noch Wolken zogen,
Blieb Euch das Glück im ganzen doch gewogen;
Die Freude zog in Eure Herzen ein,
Ihr konntet wieder recht zufrieden sein.

Und reicher sprudelte der Freude Quell
Aus Eurer Kinder Augen klar und hell,
Sie schufen frohe Euch und trübe Stunden;
Auch haben treue Freunde sich gefunden,
Die Eures Glückes herzlich sich gefreut,
Und redlich mit Euch teilten Leid und Freud’.

Hell glänzte Euch hinfort des Glückes Stern;
Und Ihr erinnert immer noch Euch gern,
Wie heut’ vor fünfundzwanzig Jahren
Euch soviel Anerkennung widerfahren,
Wie Eurer Kinder, Eurer Freunde Mund
Euch wünschte Glück so recht aus Herzensgrund.

Und Eurer Herzen tiefempfund’ner Dank
In Jubelhymnen auf zum Himmel drang.
Und Eurer Lieben, Eurer Freunde Flehen
Gehörte Gott, der längst für Euch ersehen,
Was frommte Euch nach seinem weisen Rat,
Wie er in seinem Wort verheißen hat.

Und Euer Wohlstand wuchs von Jahr zu Jahr,
Ein reiches Maß von Freuden Euch beschieden war;
Ihr waret aller Sorgen nun enthoben,
Und wusstet nicht genug den Herrn zu loben
Für seine Gnade, seine Lieb’ und Treu’,
Die täglich er erzeigte Euch aufs neu’.

Und Euer Kinder dankbar froher Blick,
Die Euch verdanken Stellung, Ehre, Glück,
Die Achtung, die Euch Freund’ und Feinde zollen
An Eurem gold’nen Hochzeitsfeste, sollen
Der schönste Lohn für Euern Wandel rein,
Für treue Lieb’ und edles Streben sein!

Vereint, Ihr lieben Gäste all, zum Schluß
Laßt Gott uns bitten, dass er vor Verdruß,
Vor Krankheit, allerlei Beschwerden
Behüten mög’ die allerseits Verehrten,
Und das der goldnen Abendröte Schein
Das Jubelpaar noch lange mög’ erfreu’n.

Wilhelm Eick