Wunsch und Alltag


Die Poesie
In duftigem Gewande, einen Kranz in den Haaren, trägt ein Körbchen, worin die in dem Gedicht genannten Gegenstände, als da wären: die erwähnten Blumen, ein Schmuckgegenstand oder dgl., ein rosafarbenes Band und eine CD enthalten sind.

Die Prosa
Derbes Kostüm bzw. alltagstaugliche Kleidung, einen Marktkorb am Arm, welcher die ausgedachten und erwähnten Sachen enthält. Küchenkräuter, ein Nähetui, sowie Haube und Schürze sich befinden.


Poesie:
Euch meine Grüße zu entbieten,
ward aus dem fernen Zauberland
an diesem, Eurem Ehrentage
ich eilig heute hergesandt.
Nehmt meinen Gruß und meine Wünsche!
Von allem, was das Leben heut,
gewährt das Allerbeste,
der Weg mit Rosen Euch bestreut!
Hier biete ich der Blüten schönste
Euch als Symbol des Glückes dar.
Sie blühen stets auf Euren Wegen,
begleiten treu Euch , Jahr um Jahr!

Prosa:
Verzeih, das ich dich unterbreche,
du liebes, holdes Feenkind!
zwar komm ich nicht vom Land der Träume,
doch aus dem Gartenfeld geschwind.
Und deine Wünsche, liebe Kleine,
die finde ich ganz schön und klar;
doch sind sehr nützlich auch die Gaben,
die ich dem Pärchen bringe dar.
Denn glaube sicher, Deine Blüten
man sich am leichtesten erhält,
wenn‘s gut stets um der Tafel Freuden,
um Küche und Keller ist bestellt.
Drum lege zwischen Deine Blumen
ich meine Gaben hier hinein;
um Euer Glück wohl zu behüten,
verwendet diese recht und fein!

Poesie: (reicht die genannten Blumen)
Hier diese Rose, diese Nelke,
sie sprechen Euch von heißer Lieb.

Prosa:
Doch warn ich Dich, ja an die Suppe
aus Liebe zu viel Salz nicht gieb!

Poesie: (wie zuvor)
Das Immergrün, die Efeuranke
spricht von der Treue tiefem Sinn.

Prosa: (die Kräuter reichend)
Ich biete Sauerampfer, Kerbel
Dir für die Suppe; nimm sie hin!

Poesie: (wie zuvor)
Das Geißblatt und das Tausendschönchen,
sie sagen Dir: Ich bin Dir gut!

Prosa: (wie zuvor)
Und Sellerie, Lauch und Petersilie
mit Recht man zu dem Fleische tut.

Poesie: (wie zuvor)
Vergissmeinnicht und Immortellen
Gedenken früh und späte Dein!

Prosa (wie zuvor)
Und Schnittlauch, Kresse, Pimpernelle
muss beim Salat vorhanden sein.

Poesie:
Wie kannst Du nur zu meinen Worten
stets fügen solchen groben Rat?!
Doch lasst sie nur, zu Eurem Glücke
weiß schöneres ich noch, in der Tat.
(Schmucksachen und dergl. reichen)
Nimm hier, Du liebe, holde Braut,
auch diese kleinen Gaben hin!
Sie sollen Dich zu Festen schmücken
die Du besuchst mit heiterem Sinn!
Es gleich das Band, das Euch verbindet,
hier diesem schönen Rosenband!

Prosa:
Doch füg auch jetzt ich eine Gabe,
damit die Freude von Bestand.
Willst Du, dass nimmer es soll reißen,
das Band, das heute Euch umschlingt,
so brauche fleißig diese Gabe -
(reicht das Nähetui)
die Dir die treuste Freundschaft bringt.
Das nie ein Riss darin zu finden
und nirgends fehle je ein Knopf;
denn ich hab stets es sagen hören,
sonst steigt dem Mann der Zorn zu Kopf.

Poesie:
Pfui doch! Wie kannst Du nur so sprechen!
Wo bleibt denn da die Poesie?
Und ohne diese kann das Leben
doch edel sein und herrlich nie!
Drum Eure Tage zu verschönen
seid immer nur auf sie bedacht!
Und sie zu pflegen, zu bewahren,
Hab ich Euch dieses hier gebracht.
(reicht die CD etc.)
Was kann es Schöneres denn wohl geben,
als die Musik, des Lebens Zier?

Prosa:
Doch ehe diese Ihr wollt pflegen,
verwendet recht erst diese hier!
(reicht Putztuch und Schürze)
Das Putztuch und die Küchenschürze,
sie sind das Feierkleid des Paares.
Dass sie im Hause fleißig walten,
denn nur geteilte Pflicht ist wahres
und sind die Pflichten all erfüllt,
dann wendet Euch zur Poesie -

Poesie:
So willst Du, höchst prosaisch Wesen,
doch nicht das man sie gänzlich flieh?

Prosa:
Wie kannst Du solches denn nur glauben?
Nein! Beide gehen sie vereint!

Poesie:
Vielleicht magst Du das Rechte wählen,
dein Pat empfehlenswert mir scheint.

Prosa:
Wenn beide eng vereinet wandeln,
die Prosa und die Poesie,
man stets zur rechten Zeit sie wählet,
und nur vertauscht die beiden nie -

Poesie:
Dann bietet auch das ganze Leben
ein gutes, schönes Wechselbild -

Beide:
Und gegen Sorg und Kummerfalten
sind beide dann ein festes Schild.