Der zusammengesetzte Satz


Zwei Sätze, die verbundenwerden,
gleich zwei zusamm‘gespannten Pferden,
sind ein zusamm’gesetzter Satz.
Da hat ein jeder seinen Platz:
Den einen man den Hauptsatz nennt;
als Nebensatz, von ihm getrennt,
der andre unter jenem steht,
wie ihr an manchem Beispiel seht.
Verbunden so mit Seel und Leib
sind in der Ehe Mann und Weib.
Der Mann soll stets der Hauptsatz sein,
die Gattin kommt gleich hinterdrein.

Die Art der Unterordnung doch
ist mannigfach verschieden noch.
Zuweilen steht die Sache schief,
das Weib gehorcht nur relativ.
Zuweilen ist die Sache fraglich,
dem Weib Gehorsam nicht behaglich,
als Hauptsatz auch zu schwach der Mann,
man spricht von Fragesätzen dann,
von Sätzen, welche relativ,
Konditional, konsekutiv,
von Sätzen, welche temporal,
und auch von solchen, die final.

Man nennt das weibliche Geschlecht
das schwache, aber kaum mit Recht,
denn es ist stärker als der Mann,
weil es ihn leicht regieren kann.
Ein Weib, das seinen Gatten lenkt,
wie sie’s auch richtig will und denkt,
ist darum nicht verdammenswert,
wenn sie nur recht dabei verfährt.
Mit Milde, Klugheit, duldsam still,
kann sie erreichen, was sie will.
Doch Jene, die nichts Höh‘res kennt,
als in dem Haus das Regiment,
die ihren Mann beherrscht als Knecht,
versteht die Eh’grammatik schlecht.
Doch ebenso beklagenswert
ist’s, wenn die Sache umgekehrt.
Die Frau des Mannes Gefährtin sei,
sein bester Freund in Lieb‘ und Treu‘!
Nicht Sklavin, Dienerin und Magd
sei sie dem Mann, dass er nie fragt,
was soll ich tun, was soll ich meiden.
Sie helf‘ im Zweifel ihm entscheiden,
steh‘ treu ihm bei mit Rat und Tat –
und wenn des Unglücks Wolke naht,
sei sie ihm Stütze in der Not,
sin Kamerad bis in den Tod!

Geht’s so in Allem, Groß und Klein
wird die Satzstellung richtig sein.
Es ist gegen solches sich vertragen
Grammatikalisch nichts zu sagen.
Ist richtig so die Eh‘ bestellt,
ist sie der Himmel auf der Welt.