Zeitwort, Aussagewort (Verbum)


Gar manches Zeitwort, merk‘, es gibt,
das in der Ehe sehr beliebt.
Bei Männern: Rauchen, Schnupfen, Trinken.
Bei Weibern: Putzen und sich schminken.
Bei Männern: Kegeln, Jagen, Fischen,
Bei Weibern: Plaudern, Stöbern, Wischen.
Bei Männern: Klug Politisieren,
Bei Weibern: Anziehen und Frisieren.
Bei Männern: Lang im Wirtshaus hocken,
Skat spielen, Tärteln und Taroken.
Bei Weibern: Weinen oder Schmollen,
Gardinenpredigen und Grollen,
und was entsetzlich ist von Vielen,
ach! Singen und Piano spielen!
Eins aber – es kommt vor zu Zeiten –
das schlimmste Zeitwort ist das: Streiten.
Gemeinsam ist es Weib und Mann,
weil eins allein nicht streiten kann.
Ein Zeitwort voller Sorg und Mühen,
ist in der Ehe – Pflicht: „Erziehen“.
Sind sie es auch schon anderweitig,
muss Mann und Frau doch gegenseitig,
dass keins von Beiden stille stehe,
sich forterziehen in der Ehe,
sich alle Fehler abgewöhnen,
sich fördern stets im Guten, Schönen,
sich gegenseitig freundlich tadeln,
veredeln und sich geistig adeln.

Erziehen müssen wir nicht minder,
sind sie beschieden uns – die Kinder.

O, welche Wonne, welche Lust,
dein Kindlein an der Mutterbrust!
„Das Auge sieht den Himmel Offen!“
Es geht durchs Herz ein süßes Hoffen
und eines Frühlings Zauberlicht,
strahlt uns entgegen sein Gesicht!
Und fangt es erst zu zappeln an,
wenn‘s gehen, wenn es pappeln kann,
wie, was es lallt und spricht und lacht,
die guten Eltern glücklich macht!
Zwar ist nicht Alles angenehm,
oft werden Kinder unbequem
mit Nachts dich weckendem Geschrei
und außerdem noch Allerlei.
Oft weiß man, wird die Stube voll,
nicht mehr, wo man sie betten soll,
auch ist es kein Vergnügen Vielen,
mit ihren Kindern selbst zu spielen;
Doch wer genossen Elternglück,
der gäb‘s um keinen Preis zurück
und wollte lieber Alles missen,
als das sie würden ihm entrissen!
Der Qualen freilich viel entstehn,
heißt‘s einmal: „in die Schule geh‘n.“
Wie vielen Ärger und Verdruss
und was man alles lernen muss,
bis hundertmal examiniert
der Sohn hat glücklich absolviert.
Wie manche schlummerlose Nacht
wird da auf Bällen zugebracht
bis endlich, ist es ihr bestimmt,
ein junger Mann die Tochter nimmt.
Und wie geht in der Zeiten Lauf
gar oft den Eltern Hoffnung auf!!
Den man gedacht als schlanken Mast
er wird ein krummer Krüppel fast,
und ein gehoffter General
wird Kalkulator – wie fatal!
Als Dichter schon und Philosophen
bewunderten den Hans die Zofen,
indes aus ihm, das Los ist hart,
nichts weiter als ein Gigerl ward.
Die Schönheit, die man einst geträumt,
hat ihre Blütezeit versäumt,
als alte Jungfer sehr nervös,
pflegt sie vier Katzen und ist bös.

Es werde drum dem Zeitwort gleich
gebeugt das Kind, so lang es weich,
mit Lieb‘ und Güt‘, und, dass sie wirken,
mit etwas Reis von jungen Birken.