Der einfache Satz und seine Teile


Wer einen richtigen Satz bezweckt,
bedarf vor Allem ein Subjekt
und ferner, was man laut und still
aussagen von demselben will.
Als einfacher und erster Satz
zu jeder Ehe ist am Platz:
„Ich will heiraten“; - steht das fest,
der Satz sich noch erweitern lässt
durch ein Objekt, denn fehlte dies,
der Satz sich nicht vollenden ließ.
Es reihen manche Fragen dann
sich alsbald an die erste an;
es folgt dem „Wen?“ ein „Wann?“ „Womit?“
so geht es weiter Schritt für Schritt.
Die Sache sieht sehr einfach aus,
doch bis du führst dein Weib ins Haus,
musst du ertragen viele Qual,
der Weg geht über Berg und Tal.
Die Jugend spricht:“Ich liebe dich!“
und träumt dann schon am Ziele sich;
Raum ist ja für ein Paar - ich bitte! –
nach Schiller in der kleinsten Hütte;
doch in der rauen Wirklichkeit
wie liegt das Ziel da oft so weit!
Im Lustspiel selbst und im Roman
geht’s oftmals langsam nur voran,
und dauert manchen Akt und Band,
bis so ein Paar Erlösung fand.
Zuweilen geht es lange her,
bis das sich finden Sie und Er.
Er wohnt am Land, Sie in der Stadt –
da hilft oft nur ein Inserat,
bei dem, spricht‘s auch der Wahrheit Hohn,
stets Ehrensache Diskretion.
Und hat man kennen sich gelernt,
wie ist man oft noch weit entfernt
von jenem seligen Moment,
wo man vertraulich „Du“ sich nennt!
Dann sind die Eltern oft dagegen,
verweigern krampfhaft ihren Segen,
und wenn man endlich ist so weit,
dass Alles voller Einigkeit,
dann trennen Tod und Krankheit oft
Verliebt – Verlobte unverhofft,
und „gute Freunde“ sind bedacht
aus Liebe, Neid und Niedertracht,
zwei Herzen, die in Liebe brennen,
vor dem Altare noch zu trennen.
An dieser Stelle möchte ich schenken
ein Wörtchen nur dem Angedenken
der Läster-Zungen aller Art,
die stets begleiten unsre Fahrt.
Ich möchte alle Gatten warnen,
lasst Euch von diesen nicht umgarnen;
den giftgeschwollenen Spinnen gleich,
begierig lauern sie auf Euch.
Die Fliege, deren Blut sie saugen,
die lang verfolgten ihre Augen,
ist Euer Ruf, ist Eure Ruh‘.
Sie tragen Euch nichts Gutes zu,
sie freuen sich nur am Skandal –
Klatschbasen meidet überall!
Ob sie als Pestgift einer Stadt,
als altes Weib, als Tagesblatt
und sonstwie ihr Verderben spinnen,
könnt ihr nicht ihrem Gift entrinnen,
nicht duldet sie in Eurem Haus,
und gehen sie nicht, werft sie hinaus!
Und nun zu unserm Satz zurück;
„Verlobte haben oft kein Glück!“
Doch geht auch alles gut und glatt,
so manchen Gang man nötig hat,
bis Alles ist herbeigerafft,
der nöt’ge Hausrat angeschafft,
in Ordnung die Papiere sind –
denn solches geht nicht sehr geschwind. –
Kommt glücklich dann der Hochzeitstag,
trifft oft die Braut noch fast der Schlag,
wenn‘s Brautkleid noch nicht fertig ist,
der Bräutigam versäumt die Frist –
bis endlich man in Seid‘ und Samt
dann fährt zu Kirch‘ und Standesamt
und, nach bestand’nem Hochzeitsmahl,
mit dem Geliebten seiner Wahl
begibt in jetzt gewohnter Weise –
Gottlob! sich auf die Hochzeitsreise.