Belustigung zur Hochzeit


Lies und Lene
(zwei Damen oder junge Mädchen, angezogen wie Max und Moritz)


Lies:

Wie sie uns zwei beiden sehn,
bin ich Lies –


Lene:

und ich die Len‘
Und man nennt uns allermeist
Ungezogen – frech – und dreist.


Lies:

Manch heißen uns im ganzen
„Zwei durchaus verdorbene Pflanzen“.


Lene:

Und das ist doch gar nicht wahr;
Bloß – weil’s Max und Moritz – Paar
unsere lieben Vettern sind,
da denkt nun gleich jedes Kind,
dass wir braven Mägdelein
böse Schwefelbande sein.


Lies:

Wenn wir auch in unseren Streichen
unsern Vettern meistens gleichen,
wir uns nicht zu schämen brauchen,
weil doch andere auch nichts taugen!
Wenn man über uns so schreit,
so ist das zumeist nur Neid,
denn wir haben nämlich hier (tippt an die Stirn)
doch dreimal mehr Witz als ihr.


Lene:

Und wenn nun so wir zwei flotten
andere Leute gern verspotten,
nu, dass ist doch kein Vergehn;
ihr müsst eben Spaß verstehn.
Reißt Euch dabei die Geduld –
Ja – da sind doch wir nicht Schuld.


Lies:

Schuldlos sind wir auch dergleichen
an verschiednen andern Streichen,
die man hier und dort und da
uns im Stillen machen sah.
Und die wir nur drum erdachten,
weil sie uns vergnügen machten.
Fielen andre dabei rein,
kann das uns doch schnuppe sein!
Ich und Lene denken nämlich:
Warum seid ihr denn so dämlich?
Wenn zum Spaß wir jemand foppen,
braucht er doch nicht draufzuhoppen!


Lene:

Also sieht doch jedes Kind,
dass wir zwei ganz schuldlos sind.
Wenn uns mal der Hafer sticht,
dafür können wir doch nicht.
Es muss in der Familie liegen,
wenn wir mal den Rappel kriegen!
Es scheint uns nämlich ungefähr
als ob’s ein Erbfehler wär‘;
Die uns die Moral jetzt lesen,
die sind grade so gewesen!


Lies:

Trotzdem nennt man ungerecht
uns „verhauen“ – „bös“ – und „schlecht“,
„Lausemädchen“ – „ruppge Kunden“ –
und durchtrieb‘ne „Vagabunden“. –
„Taugenichts“ und „Tunichtgut“ –
Vettern, Basen, Onkel, Tanten,
uns gar „Rasselbande“ nannten.
So was ist doch wirklich toll,
denn wir sind so unschuldsvoll
wie zwei Kinder von fünf Jährchen.


Lene:

Doch da kennen wir ein Pärchen –
So – ein Mädchen und 'nen Knaben
die’s dick hintern Ohren haben:
(..Namen..) heißen sie
und längst Stadtbekannt sind die,
und was das für Pflänzchen waren,
werden Sie nachher erfahren.
Die – mit ihren tollen Streichen –
sind uns gar nicht zu vergleichen.
Und dabei tun sie so zahm,
musterhaft und tugendsam –
sitzen da, als ob am Ende
keins bis dreie zählen könnte.
Na – die sollen sich nicht brüsten,
als ob wir das nicht besser wüssten!


Lies:

Lebte Wilhelm Busch jetzt noch,
euch ging’s zehnmal schlimmer doch
als uns beiden es gegangen!
Was der uns hat angehangen,
dass wir zwei so ungezogen –
ach, das hat er meist gelogen.
Darum haben wir dem Fritzen
wegen seinen dummen Witzen
unsre Freundschaft längst gekündigt.
Der hat schwer an uns gesündigt,
weil er, was kein Mensch doch dachte,
Knüttelverse auf uns machte.
Malte in Karikaturen
unsre reizenden Figuren,
als abscheulich wilde Ratzen
mit ganz schauderhafte Fratzen,
Wo wir- ist die Welt nur blind –
zwei so hübsche Mädchen sind!


Lene:

Wir sind doch die reinen Engel!
Andre haben viel mehr Mängel,
(..Namen..) – ach, du Gott –
sind doch da der reine Spott!
Wär‘ nur Wilhelm Busch noch da,
und er sollte die etwa
so in ihrer Weise schildern –
Na, das gäb‘ ein Buch mit Bildern,
das wie hier und da man munkelt –
Max und Moritz ganz verdunkelt.
Wie das Pärchen sich betrug,
steht im Max und Moritz-Buch.
Doch kein ein‘zges Wort zu lesen:


Lies:

Wir sind nie verliebt gewesen!
Nicht wahr Lene – ich und Du
hatten nie ein Rendezvous!


Lene:

Und uns etwa küssen lassen –
oh – das konnte uns nie passen.


Lies:

Saßen nie in Kneipen spät
bis der Puthahn früh gekräht.


Lene:

Nie den Jungen nach wir liefen,
wissen nichts von Liebesbriefen!


Lies:

Machten auf verbot’nen Pfaden
niemals Mondschein-Promenaden!


Lene:

Haben niemals kokettiert
und mit Herren rumpoussiert!


Lies:

Ließen nie die Cour uns schneiden
und von Herrn nach Haus geleiten!


Lene:

Und so führten wir auch drum
keinen an der Nase rum!


Lies:

Keinen – wie das oft so geht –
haben wir den Kopf verdreht.


Lene:

Haben abends auf den Gassen
hübsch die Jungen gehn gelassen!


Lies:

Nein – wir zwei – das schwören wir,
trieben’s nicht so toll, wie Ihr.


Lene:

Ach! – Ihr triebt’s noch zehnmal schlimmer,
da sind wir ja gar kein Schimmer!


Lies:

Und das Beste kommt noch jetzt,
denkt, die Braut – nun gar zuletzt –
reißt den guten Eltern aus
und zieht mit in ...(Bräutigam).. Haus!


Lene:

Das tät weder ich noch Du;
Ja was sagst Du nun dazu?


Lies:

Na – ich habe nichts dagegen,
und ich gebe meinen Segen;
und dazu erklär‘ ich hier –
(zum Brautpaar)
Ihr triebt’s toller noch als wir –
Ich behaupte sogar offen,
Ihr habt weit uns übertroffen!


Lene:

Ihr habt manchen Streich vollbracht –
das hat Euch berühmt gemacht,
und von Euch wird man einst lesen:
„Das ist noch nicht dagewesen!“


Lies:

Nun zieht Ihr gar ins Ehereich –
und das ist Euer größter Streich.

 

(ziehen pfeifend ab)