eine Rede zur Hochzeit zu Beginn des Festes


Hochzeitsrede

Eine Oase, ein Paradies
ist die Ehe fürs irdische Leben!
Blumen und Früchte, so köstlich und süß
wie sie kein Dichter so herrlich je pries
kann den ermatteten Pilgern sie geben.

Doch auch die Schlange, sie lauert noch heut
zwischen den duftenden Blüten und Früchten,
unter der Falschheit buntfarbigem Kleid
hat sie ihr ätzendes Gift stets bereit,
um durch die Lüge das Glück zu vernichten.

Ferner bedroht auch manch dunkle Nacht,
manches Gewitter mit wildem Tosen
dieser Oase beglückende Pracht;
und die Stürme des Lebens voll Macht
knicken ohne Mitleid die duftendsten Rosen.

Euch hat dies Tor sich nun aufgetan,
hoffnungsvoll schaut ihr die lachenden Auen.
Oh möge sich nimmer die Schlange euch nah‘n,
dass sie nicht neidisch mit giftigem Zahn
wandle in Zwietracht dies selige Vertrauen.

Sorglich, dann wird auch das Glück euch stets blühn,
müßt ihr den Garten behüten und pflegen.
Treu sein in Leiden, im Ungemach kühn,
selbstlos im Lieben, geduldig im Mühn,
zaubert stets Rosen auf steinigen Wegen.

E. Hausmann