Hochzeitsgedicht zum Schenken


Die Quacksalberin

Mit einem Körbchen, welches verschiedene Salben und Hausmittel enthält.

Zur Hochzeit eines Arztes

Gott grüß Euch alle hier zusammen
und nehmt mir’s nur nicht etwa quer,
dass ich bin hier hereingekommen,
weil ich doch nicht hierher gehör.
Indes – ich dachte meine Ware,
mein guter Rat ist hier viel wert,
zumal vom jungen Ehepaare
wird er gewiss sehr gern gehört!
Ich komme aus dem Bärengrunde,
der Ort ist Euch gewiss bekannt,
so dreißig Meilen in der Runde
kommt Jung und Alt zu mir gerannt.
Denn, - Ihr müsst wissen, meine Truppen
und die Getränke alleweil,
die kann man löffelweise suppen,
drum wird ein jeder frisch und heil!
Es gibt zwar manche, die da denken,
Das Doktern wär ne große Kunst,
indes Ihr könnt mir Glauben schenken,
das meiste ist nur blauer Dunst!
Ja, ja! Ein ganz verflixter Racker,
ein Doktor von der heut‘gen Welt,
hauptsächlich so ein junger Schnacker
nur darauf sieht, dass er gefällt.
Hat er zwölf Jahre lang studieret,
den Eltern schweres Geld gekost,
zum Doktor sich examinieret,
da wirft er stolz sich in die Brust!
Kauft sich zuerst ne goldne Brille,
das Auto passt ja auch dazu,
ein großes Schild als letzter Wille,
Nun hat die liebe Seele ruh!
Da sitzt er in der guten Stube
bei seiner Wirtin mondenlang,
bis schließlich wird ein kleiner Bube,
just irgendwo dann Blasenkrank!
Glückselig folgt er dem Befehle
und hat er glücklich rauskuriert
dem armen Kinde seine Seele,
was schadt’s? – Er hat doch praktiziert.
So nach und nach, da findet sich eben,
was ihm bisher so sehr gefehlt;
Nun ja – auch Doktors wollen leben,
drum manche Krankheit manchen quält!
Die Menschheit ist auch sehr marode,
das muss ich selber ja gestehn;
Was jetzt für Krankheit bloß ist Mode,
drum tut mein Handwerk auch so geh‘n!
Indes – das darf ich laut nicht sagen
die sind ja zu sehr auf mich aus,
ins Städtchen darf ich mich nicht wagen,
gleich wirft die Polizei mich raus;
Doch tut mich das nicht sehr bedrücken,
es ist ja bloß der Futterneid,
es würde mir auch nicht so glücken,
wär ich nicht gar so sehr gescheit!
Da ich zufällig nun erfahren,
dass ein Kollege Hochzeit hat
und gerade nicht viel Kranke waren,
warf ich mich in den besten Staat.
Ich dachte: Jedes junge Paar,
mag auch der Mann selbst Doktor sein,
ist doch verwirrt ein viertel Jahr,
drum schreit ich doch beizeiten ein.
Das Nötigste pack ich zusammen
damit der junge Ehemann
nicht in Verlegenheit darf kommen,
wenn etwa Krankheit klopfte an.
Zum Beispiel – hier in dieser Schachtel,
das ist was für die junge Frau,
wenn etwa das Heimweh Ihr ein Dachtel
versetzen will – das hilft genau!
Sieh hier die Flasche – lieber Bräutigam,
das ist Extrakt vom besten Bier,
denn meide jedes Gasthaus nun,
Dein Weib die macht Dir schon Quartier!
Und hier, meine liebe Braut,
nimm diese Salbe extrafein,
wir wollen es nicht hoffen, liebe Leute,
doch kann sie doch von Nutzen sein.
Danach will ich Dich noch beschenken,
das ist Universalessenz,
recht dankbar wirst Du an mich denken,
wenn erst vorbei der Liebe Lenz,
denn Du musst wissen: Junger Doktor,
und noch dazu so schön wie Der,
dem kommt so manche kranke Tochter,
manch eitles Weib auch in die Quer!
Merkst etwa was? – Du wirst Diers denken,
jetzt keinen Augenblick verpasst,
tu heimlich Ihm davon eintränken,
sein Herz Du dann ganz sicher hast,
nun könnt ich mich wohl wieder drücken,
zum Schluss ich herzlich gratulier,
Gott mög‘ Euch Glück und Segen schicken!
Den Korb lass ich Euch auch noch hier.