Dialog zwischen einem Freund des Bräutigams und einer Freundin der Braut


Freund des Bräutigams:

Liebe ist ein gold’nes Buch,
doch mit sieben Siegeln.
Nie studiert man es genug, -
wer sein Herz verriegeln

und verschließen will davor,
kaum sieht er 'ne Zeile,
schwupp, sein Herze schon verlor
er in Windeseile.

Darum wird es besser sein,
fleißig zu studieren,
wie man lieben kann und frei‘n, -
man muss praktizieren!

Freundin der Braut:

Alles lächelt rings im Kreis,
wie er redet helle.
Aber wo ist der Beweis?
Er blieb Junggeselle.

Freund des Bräutigams:

Was nicht ist, das kann noch sein.
Stets war mir so bange.
Schau zu oft ins Buch hinein,
zögere allzu lange.

(zum Bräutigam)
So wie Du es, Freund, gemacht
ohne viel Federlesen, -
Nun das Glück Dir ewig lacht -
richtig ist’s gewesen!


Freundin der Braut:
(zur Braut) :

Scheidest aus der Freundinnen Reih’n,
liebes Bräutchen, heute.
Mögest Du immer glücklich sein,
herzlich dies mich freute.

Einmal machen wir dir’s nach,
wenn wir jetzt auch scherzen,
einmal wird die Liebe wach
in dem sprödesten Herzen.

Freund des Bräutigams:
Junggesellenzeit ade,
ja, nun heißt es scheiden.
Und tut scheiden noch so weh,
jeder muss es leiden.

Goldene Freiheit ist nun aus,
doch dafür, oh Wonne,
hat ein Weibchen man Zuhaus‘,
scheint der Liebe Sonne.

Freundin der Braut:

Psst. Mein Freund, nun sei mal still, -
das muss jeder tragen,
wenn er glücklich leben will,
hat nur „sie“ zu sagen.

Soll die Ehe richtig sein,
muss die Frau regieren.
Er ist Herr, doch nur zum Schein
darf er konkurrieren.

Freund des Bräutigams:

Aber nun nicht mehr geschwatzt,
wer mit Frauen streitet,
dem wird alles doch verpatzt,
was er vorbereitet.

Darum Schluss, - dem jungen Paar
möge das Glück begegnen
Allezeit -

Freundin der Braut:

Freund Adebar
soll das Bündnis segnen. 

M. Frohmut