lustige Ansprache zur Silberhochzeit


(am Besten im Dialekt vortragen)

Hören Sie mal, Herr Jubilarbräutigam, sind Sie auch ganz sicher dass Sie heute erst Ihre silberne Hochzeit feiern? Es müsste nach meiner Berechnung schon die goldene sein; denn wie ich immer gehört habe, zählen die Kriegsjahre stets doppelt.
Ich will nun allerdings bei Ihnen eine Ausnahme von der Regel stattfinden lassen, aber was meine Ehe anbetrifft, die zählt sie auf alle Fälle doppelt, so dass – wenn ich es noch erlebe – oder wenn meine Gemahlin - - -
Doch davon später.
Es ist ein wahres Glück, dass meine Frau nicht hier ist, sonst dürfte ich sowas beileibe nicht laut aussprechen, denn sie ist imstande - - - -
Doch davon später.
Nun sagen Sie mir mal offen und ehrlich, ist denn in den fünfundzwanzig Jährchen tatsächlich immer alles bei Ihnen so rein glattweg gegangen, oder haben Sie auch häufig Grund gehabt zu bereuen, dass Sie, statt so gemütlich für sich alleine zu leben, sich verehelichten – und wie verehelichten! Sehen Sie, sich habe zum Beispiel eine Frau heimgeführt - -
Doch davon später.
Wenn ich Sie mir so recht ansehe, so machen Sie auf mich den Eindruck eines gutmütigen Mannes; aber was will ich sagen, wenn die Gattin - - - - -
Nun, was das anbetrifft, so scheint die Frau Gemahlin mit einer nicht minder guten Seele begabt zu sein, denn sie hat einen richtigen guten Blick, was ich von meiner Frau - - - - -
Doch davon später.
Ich denke, es muss ein großartiges Gefühl sein, sich an einem Tage wie dem heutigen sagen zu können: Das war trotz aller Mühen und Sorgen einmal eine schöne Zeit, die du mit deiner Alten verlebt hast. Ach ja!
Was meine Person angeht, so kann ich mir das nur in meinem Geiste ausmalen; denn erstens bin ich bei weitem nicht so lange vermählt wie Sie, und zweitens hat mir meine Gattin bisher eher Grund gegeben - - - - -
Doch davon später.
Jedenfalls sind Sie in meinen Augen schon deswegen ein beneidenswerter Mann, weil Sie bereits fünfundzwanzig Jahre Ihres Ehelebens zurückgelegt haben, während ich noch ein endloses Gefilde vor mir sehe. Ich wünschte, ich wäre auch schon so weit wie Sie und es wäre mir vergönnt, so ein friedliches Dasein zu führen, wie so viele Mitmenschen meines Geschlechts, aber davon ist gar keine Rede, denn wenn der Teufel mal in so einem - - - - -
Doch davon später:
Ich habe sie nämlich aus purer Liebe geheiratet, denn sie war als Mädchen ein reiner Engel an Gestalt und Sanftmut, und auch jetzt ist sie ja nicht gerade, was man eine Xanthippe nennt; aber wenn sie rabiat wird – und das ist sie häufig – dann ist sie ganz fürchterlich. Hauptsächlich ist die Eifersucht dran schuld. Was diese schlimmste der menschlichen Leidenschaften mir schon für bewegte Stunden verursacht hat, das können Sie sich gar nicht denken.
Sie lächeln, meine verehrten Damen und Herren, weil ich nicht wie so ein richtiger Adonis aussehe, aber das ist nur äußerlich. – Innerlich - - - - -
Doch davon später.
Wenn mich zum Beispiel meine Gattin jetzt hier zwischen den vielen schönen Damen sähe, dann hätte sie mir aber bescheid gegeben, Gott verdamm mich noch einmal!
Doch davon später.
Ich habe es ihr wohlweislich verschwiegen, dass ich zu dieser Feier gehe. Aber sehen Sie, ich will doch auch mal ein paar gemütliche Stunden unter friedlichen Menschen verleben. Um dies ungestört zu können, habe ich ihr gesagt – ich bin nämlich – allerdings nur rein aus Liebhaberei – Tierbändiger, dass heißt – ich bin, was man so sagt – ein eingefleischter Tiernarr, und ich bin ein Meister im Zähmen von allerlei Gewürm. Ich habe so viel Mut. Ach ja!
„Mein gutes Tierchen,“ habe ich ihr gesagt, „heute findet eine große Tierauktion statt, und da will ich sehen, ob ich nicht einen jungen Papagei für dein besonderes Vergnügen erwerben kann. Da hat sie mir den das Gehen erlaubt, nachdem ich ihr fest gelobt habe, nicht wieder Schlangen mit heimzubringen, was ich einmal aus Verzweiflung getan habe und was ein großes Glück für mich gewesen ist, denn sie hat vierzehn Tage bei ihrer Mutter zugebracht, weil ich die harmlosen Tierchen nicht so schnell einfangen konnte.
Wenn ich ihr nun statt des versprochenen Papageien gar einen Affen - - - - -
Doch davon später.
Was ich Ihnen, Verehrtes Silberpaar, eigentlich sagen wollte, ist, dass ich Ihnen aus dem tiefsten Grunde meines uneigennützigen Herzens ein ungetrübtes, langes Leben wünsche, und indem ich noch hinzufüge, dass stets Frieden und Eintracht, die schönsten Gefährten eines Ehepaares, Sie auf Ihrem Lebensweg begleiten möchten, ergreife ich mein Glas und rufe:
Das Jubelpaar lebe hoch!

A. Schröder