Worte an die Braut


Sag mir nur, du liebes Kind,
Wie du’s angefangen,
Dass der junge Sausewind
Dir ins Netz gegangen?

Ja, du bist so klug und schlau,
Dass ich dir für’s Leben
Um ein Haar mir nicht getrau
Einen Rat zu geben.

So ein wilder Junggesell,
Liebling aller Schönen,
Lässt sich in der Regel schnell
Nicht ans Joch gewöhnen.

Lass dir morgens Mund und Stirn
Von dem Wildfang küssen;
Abends wirst du ihm mit Zwirn
Tüchlein säumen müssen.

Spiel ihm morgens am Klavier
Schwierige Sonaten;
Sorge, dass zu Mittag dir
Wohl gerät der Braten.

Habt ihr mittags Tischbesuch,
Schone nicht die Flaschen;
Lass dich bei dem Rechnungsbuch
Abends überraschen.

Plaudere heute wie ein Tor,
Morgen klug und weise;
Lies ihm heute Goethe vor,
Morgen aber Heyse.

Kurz und bündig, kleine Braut,
Fessel‘ ihn durch Wechsel,
Heute will das Böcklein Kraut,
Morgen will es Häcksel.


Rudolf Baumbach