Es waren einmal zwei Studenten, die ließen Gott einen guten Mann sein, plagten sich wenig mit Studieren und hatten auch darum keinen Überfluss. Einst unternahmen sie miteinander eine Fußreise und kamen dabei durch einen Wald. Da fanden sie einen Frächter neben dem Wege liegen, der hatte die Halfter seines Esels um die Arme geschlungen und schlief. Da zäumte der eine Student das Grautier los und trieb es heimlich davon, der andere legte sich die Halfter an und wartete, bis der Schläfer erwachte. Es dauert auch nicht lange, da rieb sich der Frächter die Augen, blickte um sich und war nicht wenig erstaunt, einen Studenten im Zaume zu finden. Der Schelm bat ihn aber herzbeweglich, er möge ihn seines Weges ziehen lassen, er sei ein wilder Bursche gewesen und deshalb von seinem Vater in einen Esel verzaubert worden und so in den Dienst des Frächters gekommen. Nun sei aber just die Zeit der Verwünschung abgelaufen und er aber seine Gestalt als Student wieder erhalten. Diese seltsame Geschichte wusste der Leichtfuß so treuherzig und eindringlich zu berichten, dass ihn der gutmütige Mann nicht bloß freiließ, sondern ihm auch noch einen Zehrpfennig nebst etlichen guten Lehren mit auf die Reise gab. Am anderen Tage kam der Frächter in die nahe Stadt, um einen anderen Esel zu kaufen. Wie war er verwundert, als er auf dem Marktplatze seinem wohlbekannten Esel fand, den der Student, der ihn am Vortage fortgetrieben hatte, eben feilbot. Nun meinte der Frächter steif und fest, der leichtsinnige Student habe wieder Allotria  getrieben und sei von dem strengen Vater neuerdings in einen Grauschimmel verwandelt worden. Er trat näher und sagte leise zu seinem Esel: „So geht’s! Wer dich aber kennt, der kauft dich nicht.“  Damit ging er weiter und erstand ein neues Lasttier.

nacherzählt von H. Fraungruber