über eine geprellte Zeche


Mit einem Geldstück in der Hand,
Wie’s gang und gäbe auf dem Land,
Fragt einen Wirt ein Reisender:
„Kann für mein Geld ich hier longieren?“
Und jener spricht: „Warum nicht, Herr?
Sie mögen nur hereinspazieren.“
Der Fremde setzt sich an den Tisch,
Genießt vom Braten, Wein und Fisch,
Und was noch sonst aus Küch‘ und Keller
Der Wirt erteilt auf Schüssel und Teller.
Dies dauert wohl drei Wochen lang:
Jetzt wird dem guten Wirte bang.
Er spricht: „Ich will die Rechnung machen.“
Doch dieser sagt mit halbem Lachen:
„Bemüh’n Sie sich nicht, hier ist mein Geld.“
Der Wirt drauf sagt: „Das ist ja nur ein halber Gulden,
Und Sie an fünfzig mir verschulden.“
Der Fremde, ernster werdend, sagt:
„Herr Wirt, ich habe Sie gefragt,
Ob für mein Geld ich könnt‘ logieren?
Sie mögen mich nun visitieren,
Ob ich mehr hab‘, und wo nichts ist,
Da gibt sogar der Kaiser Frist.“
„Oho! Oho! Ich könnte Sie blamieren
Und ließ Sie setzen ins Gefängnis;
Doch scheinen Sie mir in Bedrängnis,
Und weil das Stückchen mir gefällt,
Schenk‘ ich Ihnen auch das Geld.
Doch Herr, eins bitt‘ ich mir noch aus:
Da drüben in dem großen Haus,
Da ist ein Wirt, der Gäste einlogiert,
Den hätt‘ ich gerne angeführt.
Da zehren Sie dann für Ihr Geld,
Der Wirt prellt doch die ganze Welt.“
„Gern, „ sprach der Fremde nun,
„Wollt‘ ich Ihnen den Gefallen tun,
Doch geht’s nicht mehr; mag Sie‘s verdrießen,
Der hat zu Ihnen mich gewiesen.
Drei Tage zehrt‘ ich bei dem Mann,
da kam er mit der Rechnung an.
Ich gab ihm meinen halben Gulden,
Fünf Taler sollt‘ ich ihm verschulden.
Da ging ich nun auf sein Geheiß
Zu Ihnen, Herr; und wie Gott weiß,
Sie sind ein lieber, braver Mann!
Sie nahmen mich drei Wochen an!“
„Herr!“ rief der Wirt voll Zorn nun aus,
„Sie scheren sich aus meinem Haus!
Dass S‘ nicht umsonst mich loben sollen,
Lass Ihnen ich gleich Prügel zollen.
Den Stock hab‘ ohnehin ich hier, -
Dann haben abgerechnet wir.“