Geschichten über das Prahlen


Habt Ihr schon vom rechten König Krösus erzählen hören? Der hatte so viel Gold und Edelsteine als alle anderen Könige zusammen. Ich weiß euch aber einen Ennstaler Bauern, der sich auch nicht spotten ließ. Hört einmal! Als der Ostersonntag auf einem Montag fiel, gab der Ennstaler ein Festmahl. Den ganzen Tag ließ er Krapfen backen; die waren so groß, dass eine Magd sie mit der Heugabel im Schmalz umwenden musste. In der Braupfanne ward Suppe gekocht und mittelst der Dachrinne in die Gaststube geleitet. Die Knödel mussten einzeln in Schiebkarren zum Tische geführt und zwanzig Ochsen auf dem Kirchplatze am Spieße gebraten werden, wozu man die Stangen vom Heuschober verwendete. Es gab auch köstliches Pflaumenmus; drei Paar Schimmel zogen die Schüssel, dann watete der Altknecht bis zum Gürtel hinein und schaufelte das Mus auf die Teller.
Zum Kaffee brauchte man einen Teich voll Milch und drei Köchinnen fuhren in einem großen Boote darin herum, sie abzurahmen. Die Brotlaibe wurden mit einer scharfen Sense geteilt, und als der Hausvater die Butter anschnitt, sprang plötzlich ein Halterbub heraus, der im Sommer zuvor auf der Alm in den Milchkübel gefallen und unversehens in die Butter gefallen war. Er hatte ein Loch ausgenascht, so weit wie die Dorfkirche. Als die Gäste heimkehrten, dauerte der Zug von Ostern bis Pfingsten; und wer’s glaubt, wird selig.

Hans Fraungruber